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Die Drei-Nadel-Technik...

... oder Zusammennähen ist ja so was von gestern.


Hallo, mein Name ist Julia und ich kann nichts zusammennähen. Alle Stricksachen, die irgendwo eine Naht haben, sind mir ein Graus. Wer jetzt aufschreit und sagt "Oh nein, aber das ist doch so einfach!" dem möchte ich sagen: Nein. Ist. Es. Nicht.
Es ist eine Kunst, etwas zusammenzunähen und dabei nicht zu viel oder zu wenig Fadenspannung an den Tag zu legen. Alles, was ich zusammennähe, nähe ich zu fest, sodass sich alles verzieht und einfach doof aussieht.

Aber ich weiß mit meinem Defizit umzugehen. Organisation ist alles.
Zuerst einmal vermeide ich alle Strickanleitungen, bei denen man etwas zusammennähen muss. Und erstaunlicherweise klappt das sehr, sehr gut. Sämtliche Kleidungsstücke (Kleider, Pullover, Strickjacken...) stricke ich in einem Teil von oben. Entweder als Raglan oder mit Rundpasse.

Wenn ich dann aber doch in die Misere des Zusammennähens komme, versuche ich mir auch da zu behelfen. Vor ein paar Jahren habe ich die "Drei-Nadel-Technik" (besser bekannt als Three-Needle-Bind-Off) kennengelernt.

Diese Technik ist für alle Ich-kann-keine-Sachen-zusammennähen-Menschen wie mich ein Segen.

Grundsätzlich funktioniert es so, dass man einfach zwei Kanten zusammen abkettet. Kling komisch, ist aber wunderbar einfach.
Ich zeige ein praktisches Beispiel.

Für meine Freundin habe ich eine Mütze gestrickt.
Diese Mütze wurde in Runden gestrickt und oben nicht, wie andere Mützen, in Runden abgenommen, sondern flach zusammengenäht.
Jetzt könnte man die Mütze rundherum einmal abketten und oben zusammennähen.
Ja, könnte man.
Man kann es aber auch sein lassen und die Drei-Nadel-Technik anwenden.

Zuerst wird das Strickstück auf links gedreht.

Dann legt man es flach vor sich hin, sodass die beiden Enden der Rundstricknadel (oder zwei einzelne Stricknadeln) direkt aufeinander liegen.


Nun nimmt man eine dritte Nadel (darum Drei-Nadel-Technik) und kettet die Mütze ab, wobei man immer eine Masche von der oberen und eine Masche von der unteren Nadel zusammen abkettet. Also als ob man zwei Maschen zusammenstricken würde.

Bei meinem Beispiel bitte nicht wundern, warum ich zwei Fäden habe - ich habe bei der Mütze einfach zwei Wollknäuel zusammen verstrickt.

Also wie zum rechtsstricken von vorne in beide Maschen (eine Masche auf der vorderen Nadel, eine auf der hinteren) einstechen und zusammenstricken.

Das Ganze nun nochmal machen. Also wieder die vordere und hintere Masche zusammenstricken. Die erste gestrickte Masche anschließend über die neue Masche ziehen.
Also ganz klassisch abketten. 



Mit den nächsten Maschen macht man das wieder...


Dabei entsteht eine schöne, gleichmäßige Naht.



Am Ende einfach den Faden durch die letzte Schlaufe ziehen und fertig.


Ich habe also die Mütze in einem Schritt abgekettet und zusammengenäht. Knaller, oder?
Es ist auch nirgendwo ein Loch entstanden. An beiden Ecken oben ist alles schön geschlossen.
Nun nur noch den Faden vernähen.



Dreht man die Mütze nun auf links, wölbt sich die Naht natürlich nach innen.


Durch kurzes Dämpfen oder Waschen und flach hinlegen erledigt sich das Problem aber von alleine.




Tadaaa! Fertig ist die Mütze, die ich mit der Drei-Nadel-Technik beendet habe.

Diese Technik kann überall da anwenden, wo man Maschen hat. Dabei ist es egal, ob die Maschen normal gestrickt wurden oder man sie aus dem Rand eines Stückes neu aufgenommen hat.

Und ja, Tragefotos zeige ich Euch von der Mütze natürlich auch - aber erst in ein paar Tagen.

Kommentare

  1. https://mollistricktundradelt.wordpress.com/6. Juni 2017 um 13:50

    Das ist ja genial...da probiere ich bei meinem Pullover aus den ich langsam fertig stelle. Ich kann dich sehr gut verstehen, ich hasse das Zusammennähen ebenfalls und brauche dafür länger als mit dem Strickstück an sich... :-(
    Danke für die tolle Erklärung.
    Gruß Marion

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    1. Meine Nähte werden immer so wulstig und ungleichmäßig. Mit der Drei-Nadel-Technik wird es immer schön gleichmäßig.

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